An die 70 Gäste verfolgten am heutigen Montag eine interessante Veranstaltung zum Thema “Mehrgenerationenwohnhäuser”.
Auf Einladung des Bundestagskandidaten Dr. Matthias Heider, referierten Sabine Matzke, Wohn-Bund-Beratung NRW GmbH, Bochum und Rüdiger Wilde, Architekt BDA, Lüdenscheid über Mehrgenerationen- projekte und berichteten über soziale, städtebauliche und wirtschaftliche Erfahrungen und Chancen.
Unsere Gesellschaft verändert sich. Der demographische Wandel und andere Lebens- und Arbeitsbedingungen bringen große gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Die Auswirkungen treten immer stärker hervor. Es gibt weniger Kinder in Kindergärten und Schulen. Familiärer Zusammenhalt und Unterstützung werden dadurch geprägt, dass Eltern, Kinder und Großeltern oft nicht mehr am gleichen Ort leben. Gleichzeitig benötigt eine größer werdende ältere Generation moderne Wohnräume und Betreuungsleistungen. Junge Familien sind darüber hinaus auf flexible Hilfen und Einrichtungen im Arbeits- und Alltagsleben angewiesen.
Es gilt neue Konzepte zu entwickeln, die private und freiwillige Initiative unterstützen und sie mit staatlichen Leistungen zu verbinden. “Auch die Vitalisierung alter Stadtquartiere spielt eine große Rolle. ” So Rüdiger Wilde
„Generationenfreundliches Wohnen muss städtebauliches Leitbild werden!” fordert Dr. Matthias Heider. Die Bundesregierung muss neben den bereits laufenden Programmen im Baubereich, wie der energetischen Erneuerung, soziale Aspekte noch mehr berücksichtigen und deswegen das Mehrgenerationenwohnen weiter fördern.
Matthias Heider erläuterte in seiner Begrüßung, warum dieses Thema von großer Bedeutung für die Zukunft Lüdenscheids und ganz Deutschlands ist. Mehrgenerationenwohnen sei eine innovative Antwort auf den Wandel der Altersstruktur der Bevölkerung und diene in hohem Maß der Stadtentwicklung.
Mit Sabine Matzke und Rüdiger Wilde standen zwei Architekten als fachkundige Referenten zur Verfügung. Der Lüdenscheider Architekt Rüdiger Wilde beleuchtete den ersten Versuch, in Lüdenscheid ein Mehrgenerationenwohnhaus an der Kölner Straße zu errichten. Das Projekt kam seiner Zeit nicht in die Umsetzung. Er wies auch auf die vielfältigen Mehrgenerationeneinrichtungen und diejenigen Projekte hin, die vorwiegend Wohnzwecken gewidmet sind. In einer Präsentation zeigte er die Möglichkeiten anhand des alten Projektes auf und berichtete über seine Erfahrungen mit dem Thema. Seiner Meinung nach berge Mehrgenerationenwohnen nicht nur ein erhebliches Potenzial für einen echten Mehrwert im täglichen Wohnen, wie z.B. Gemeinschaft, Vertrauen und Sicherheit, sondern sei auch geeignet, alte Stadtquartiere zu revitalisieren. Der Versuch sei damals fehlgeschlagen, so der Architekt, weil die Zeit einerseits noch nicht reif für ein solches Projekt gewesen sei und weil die Erwartungshaltung der Beteiligten zu unterschiedlich gewesen sei, so Wilde weiter. Mittlerweile habe man aber aus den Fehlern gelernt und er könne sich vorstellen, dass das Gebiet um das ehemalige Kinderkrankenhaus eventuell für einen neuen Anlauf geeignet sei.
Im Anschluss an die Ausführungen über die Situation in Lüdenscheid referierte Sabine Matzke. Sie ist seit 10 Jahren beim „WohnBund-NRW” in Bochum tätig und berät die Landesregierung Nordrhein-Westfalen in Fragen zum Mehrgenerationenwohnen. Sie hob in ihrer Präsentation den Gewinn hervor, den alle Beteiligten aus einem solchen Projekt ziehen. Nicht nur die älteren Bewohner würden von jungen Familien profitieren, so Frau Matzke, sondern auch die jungen Familien. Bei den heutigen Entfernungen seien die Großeltern oft nicht vor Ort und den Kindern würde etwas fehlen. Durch Mehrgenerationenwohnen könnten die Eltern entlastet werden, z.B. durch Babysitten, und die älteren Mitbewohner würden voll in das soziale Leben integriert. Mit vielen Beispielen aus Nordrhein-Westfalen unterstrich die Referentin die Vielfalt der Mehrgenerationenwohnhäuser.
Nach den Präsentationen gab es eine rege Diskussion mit den anwesenden Zuhörern. Die Fragen drehten sich um die integrative Kraft von Mehrgenerationenwohnhäusern, die Kosten und die Finanzierung. Matthias Heider regte an, neben den Mehrgenerationeneinrichtungen in Olpe und Lüdenscheid neue Projekte mit dem Schwerpunkt Wohnen zu prüfen.



Vielen Dank für diesen ausgesprochen informativen Abend. Eine wirklich gelungene Veranstaltung. Ich möchte hier an dieser Stelle Herrn Wilde (und alle weiteren “Mitstreiter”) ermutigen, an dem Projekt “Mehrgenerationenwohnhäuser” festzuhalten. Auch Lüdenscheid wird für solche Visionen mal bereit sein. Ich würde mich freuen.
Hilde M. aus Lüdenscheid