Prävention von Verkehrsunfällen lebenswichtig!
Am 9.12.2009 veranstaltete die Gruppe Leitender Notärzte zusammen mit dem Lüdenscheider Interessenverband für Unfallverletzte (IVU) ein Jugendforum zur Prävention von Verkehrsunfällen in der Feuer- und Rettungswache am Dukatenweg in Lüdenscheid. „Traffic Deadline - Der Tod auf dem Weg nach Hause” sollte insbesondere 16 bis 25-Jährigen Fahranfängern die Möglichkeit geben, von erfahrenen Helfern und betroffenen Unfallopfern über die Tragik von Verkehrsunfällen zu erfahren.
Die Referenten stellten dem leider nur kleinen Zuhörerkreis sehr emotional und eindringlich die Gefahren und Folgen schwerer Unfälle dar. Mit zahlreichen Bildern und Videos, aber vor allem durch die Eindringlichkeit der Worte, konnten die anwesenden Jugendlichen erreicht werden. In den Pausen hatten die Teilnehmer des Jugendforums in einer Fahrzeughalle der Wache die Möglichkeit den Aufprallsimulator der Verkehrswacht zu testen. Mit 10 km/h raste ein Gurtschlitten gegen ein Hindernis; die mutigen „Fahrer” waren geschockt, welcher Aufprall allein bei so geringer Geschwindigkeit auf den Köper wirkt. In der Halle wurden auch zwei Hunde der Rettungshundestaffel Südwestfalen der Johanniter Unfallhilfe vorgestellt, in seinem Referat stellte Christian Oberhoff, der Leiter der Staffel, die Arbeit der Hunde vor, die auch bei Verkehrsunfällen zur Nachsuche von umherirrenden Betroffenen eingesetzt werden.
Die vierstündige Veranstaltung begann mit einer Demonstration der Alarmierung von Rettungsdienst und Feuerwehr in der Hauptwache. Klemens Dopatka erläuterte als stellv. Wachleiter den jungen Teilnehmern die Entsendung von Rettungsfahrzeugen und deren Aufgaben am Unfallort. Es folgte Polizeihauptkommissar Volker Mürmann, der provokativ den Fahranfängern sagte „Wir wollen Euch kriegen!” und anschließend erläuterte, warum Verkehrskontrollen wichtig sind. Mit ruhiger, kräftiger Stimme berichtete er über einen Einsatz, bei dem das Handy des Unfalltoten unaufhörlich klingelte: „Papa ruft an!” stand da. Den Einfluss solcher Eindrücke auch für die Helfer unterstrich auch Dr. Rommel Jadaan, der im folgenden Referat auf die Gesichter hinter den Kreuzen auf den Landstraßen hinwies. Anhand eines dokumentierten Einsatzes aus seiner Zeit als Notarzt in Mecklenburg-Vorpommern, wo er bereits mehrere dieser Jugendforen organisiert hatte, belegte er mit detaillierten Fotos, wie die Arbeit von Notarzt und Rettungsassistenten abläuft. Er hob darauf ab, dass solche Unfälle nur im Team Hand in Hand bewältigt werden können.
Nach der Pause stellte der Opferschutzbeauftragte Polizeioberkommissar Wolfgang Exler aus Iserlohn seine Tätigkeit vor. Er gab insbesondere zu bedenken, dass der Umgang mit schockierten Opfern und die Überbringung von Todesnachrichten auch erfahrenen Beamten und Seelsorgern sehr schwer fallen. Anschließend berichtete Franz Vandrey, Mitorganisator des Forums und selbst vor 18 Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls, sehr persönlich seine Erlebnisse und vor allen die Folgen seines Unfalls stellvertretend für viele andere Unfallopfer dar. Seine schwangere Frau hatte damals den Unfall leicht verletzt überlebt; sein Sohn war ebenfalls zum Jugendforum gekommen. Franz Vandrey selbst war erst nach Monaten wieder genesen und benötigt noch heute medizinische Unterstützung; gerade das sollte die Jugendlichen anregen, konzentriert und mit Vorsicht zu fahren. Abschließend resümierte Dr. Frank Mewes nochmals die wichtigsten Ursachen für schwere Verkehrsunfälle: Hohe Geschwindigkeiten, mangelnde Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern und die Naivität im Umgang mit dem eigenen Fahrgerät und den Situationen im Straßenverkehr führen häufig zu dramatischen Unfällen. Oft sind gleichzeitig mehrere Menschen betroffen, in diesen Fällen rückt auch ein sogenannter Leitender Notarzt aus, der an der Unfallstelle die Arbeit der anderen Notärzte koordiniert und die Verlegung in verschiedene Kliniken regelt. Am Beispiel eines Disco-Unfalls vor anderthalb Jahren zeigte Dr. Mewes wie schnell auch bei einem Unfall mit nur einem Fahrzeug fünf Schwerverletzte versorgt werden müssen. Die Bilder vor Ort sind nicht nur für unverletzte Angehörige und Freunde eine ewige Belastung, auch den Helfern sind diese Szenen noch Jahre danach präsent, zumal bei diesem Unfall eine junge Mutter von Zwillingen getötet wurde - alle Insassen des Unfallfahrzeuges waren nicht angeschnallt…


