Eine Antwort auf Herrn Moldenhauers Leserbrief
Die Gründungsväter der Christlich Demokratischen Union (CDU), unter ihnen viele NS-Verfolgte, KZ-Häftlinge und Emigrierte, haben sich im wesentlichen aus zwei Punkten für das „C” im Namen ausgesprochen: zum einen wollte man die Gegensätze der Konfessionen (katholisch/evangelisch) überwinden und damit die Lehren aus der Geschichte der Zentrumspartei in der Weimarer Republik ziehen. Zum anderen wollte man sich bewusst nach den schrecklichen Erfahrungen der Nazi-Diktatur auf das christliche Menschenbild beziehen. Danach sind alle Menschen als Abbild Gottes geschaffen und besitzen ohne Ausnahme eine unverletzliche Würde. Darum setzte und setzt sich die CDU zum Beispiel für eine soziale, dem Menschen verpflichtende Wirtschaftsordnung ein.
Mit dem „C” ist jedoch keineswegs der Anspruch verbunden, jede politische Frage mit Hilfe der hl. Schrift zu interpretieren und daraus die Antwort zu finden. Unsere Partei ist keine Kirche - bei uns sind Christen jeder Konfession und Nichtchristen herzlich willkommen. Unveränderliches Fundament ist und bleibt aber für alle Zukunft der Anspruch, bei allen Entscheidungen die Würde jedes Menschen zu schützen und das Wohl der Menschen zu fördern. In der Parteigeschichte hat es sicher Fehlentscheidungen gegeben, wurden Situationen nicht richtig eingeschätzt oder wichtige Anliegen vernachlässigt. Es gehört aber auch zum christlichen Menschenbild, dass wir Menschen eben fehlbar sind - nur Gott ist allmächtig. Der erhobene moralische Zeigefinger steht weder Herrn Moldenhauer noch uns zu. Wir akzeptieren unsere Fehler und die Fehler unserer politischen Gegner. Wir wollen und werden aus unseren Fehlern lernen und unsere Gesellschaft jeden Tag ein bisschen lebenswerter machen. Das „C” in unserem Namen ist Anspruch und Mahnung an jedes Mitglied - und ja, wir nehmen es alle sehr ernst.


