Kein Scherz: „Unmittelbar nach Karneval habe ich mit Phase 1 meines Wahlkampfs angefangen”, sagt Bernd Schulte. Der 60-jährige Diplom-Verwaltungswirt will es noch einmal wissen - und für ein CDU-Mandat im Düsseldorfer Landtag zum wahrscheinlich letzten Mal den Wahlkreis 123 gewinnen.
In dieser ersten Phase hat Schulte ganz bewusst „Bürgermeister mit bestimmten Projekten in Verbindung gebracht”. Und so war Lüdenscheids Stadtoberhaupt Dieter Dzewas (SPD) dabei, als Schulte sich Ende Februar gemeinsam mit NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper vor Ort um das Projekt „Schneckenhaus” des Sportvereins „Turboschnecken” bemühte - und beide Politiker für die Sanierung des alten Fabrikgebäudes Hesse & Jäger Geld aus der NRW-Landeskasse in Aussicht stellten.
„Beschleunigt weiter” ging’s dann in Phase 2: Direkt nach Ostern startet Schulte durch, ein Wahlkampf-Termin reiht sich an den nächsten. Rüttgers, Laschet, Linssen, Laumann, Uhlenberg - Schulte bringt den Ministerpräsidenten und sein halbes Kabinett ins Spiel. Wer sich das einmal live ansehen möchte: Am 6. Mai lässt Schulte „seinen” Finanzminister Helmut Linssen im Kulturhaus sprechen - natürlich zum Aufreger-Thema öffentliche Haushalte und Schuldenbremse. Die SPD wolle da ja leider nicht drauftreten, bedauert Schulte. Dabei sei es wichtig, die Städte und Gemeinden zur Konsolidierung zu zwingen. Lüdenscheid habe da seine Hausaufgaben gemacht, beruhigt Schulte. „Weitgehend”.
Allerdings könne es passieren, dass die Stadt mit der Finanzierung des Mehrgenerationenplatzes ins Schleudern komme, warnt Schulte. Sicher: Die Kommune könne an sich selbst entscheiden, wofür sie das Geld aus dem Konjunkturpaket II ausgebe. Was aber, wenn sie in einem genehmigungspflichtigen Nothaushalt gezwungen sei, es für Dringenderes auszugeben? Dann, so Schulte, wären die rund 870.000 veranschlagten Euro zur Platzgestaltung gut angelegt in der weiteren energetische Sanierung der Schulen. Das sei dann auch „sinnvoll und nachhaltig”.Ein 13-Stunden-Tag sei für ihn in diesen heißen Wahlkampf-Wochen wirklich keine Seltenheit, bekennt Schulte. Morgens erst noch ein Blick in die Zeitungen, ehe es für den CDU-Mann gegen 10 Uhr so richtig losgeht. Einsätze auf Marktplätzen, das Haustür-Geschäft mit den Wählern - „ein paar tausend Kontakte kommen da im Laufe der Woche schon zusammen”, rechnet Schulte vor. Abends geht’s dann schon mal bis 23 Uhr. Schultes Frau Helma, ebenfalls 60 Jahre alt, „macht das schon seit 24 Jahren mit, hält mir den Rücken frei”. Immerhin: „Am 1. Mai habe ich mal frei”, freut sich Schulte. Da stünden dann ja auch andere in der Öffentlichkeit.
Die regionale Wirtschaft - Schulte ist sie sehr wichtig. „Ein ausgebildetes Ingenieur- und Facharbeiter-Potenzial” brauchten die heimischen Betriebe. Deshalb sei die Fachhochschule als Teil der „Denkfabrik” in Kooperation mit den Unternehmen so dringend. Junge Menschen müssten vor Ort für die Region ausgebildet werden, damit sie nicht abwandern. Ausbilder und Lernende müssten aber deutsch miteinander reden können - im doppelten Wortsinn. Darin sieht sich Schulte einig mit dem türkischen Unternehmerverein in Lüdenscheid. Als „wichtiges Instrument” zur Sprachförderung hat Schulte den Offenen Ganztag entdeckt. Etwa in der Grundschule am Tinsberg, einem Stadtteil, in dem viele Einwanderer mit ihren Kindern leben.
Der CDU-Mann muss sich im Landtag schon spezialisieren. Im Übrigen läuft gerade beim sensiblen Thema innere Sicherheit vieles hinter den Kulissen. Er ist aber ständig mit Polizei und Feuerwehr im Gespräch, beteuert Schulte.
Überhaupt ist der CDU-Politiker bestens vernetzt mit wichtigen Menschen aus Politik, Wirtschaft, Volk. Ohne dieses Netz gehe es in der Politik gar nicht, sagt er: „Einfach den Schalter anmachen reicht nicht. Man muss auch wissen, wo die Strippen liegen.”


